Arbeitsmarkt Recht & Steuern: Welche Fachkräfte jetzt besonders gefragt sind

1. Steuerfachangestellte & Steuerfachwirte

Die Nachfrage nach Steuerfachangestellten und Steuerfachwirten ist seit Jahren hoch und wird weiter steigen. Grund: Der Fachkräftemangel in Steuerkanzleien. Viele kleinere Kanzleien suchen händeringend nach Unterstützung in der Mandantenbuchführung, Lohnabrechnung und Jahresabschlusserstellung.

Besonders gefragt sind Fachkräfte mit Erfahrung in digitaler Buchführung (z. B. DATEV Unternehmen online) und sicherem Umgang mit Cloud-basierten Tools.

Gute Fachkräfte können sich den Job aussuchen und werden oft außergewöhnlich guten Arbeitsbedingungen gelockt: Zum Beispiel einer 4-Tage-Woche mit hohem Homeoffice-Anteil. Dennoch erhalten Arbeitgeber in der Regel nur wenige Bewerbungen auf ihre Stellenangebote.

2. Steuerberater (am besten mit Digital-Know-how)

Unternehmen und Kanzleien benötigen Steuerberater, die nicht nur Fachwissen, sondern im besten Fall auch digitale Kompetenzen mitbringen. Hintergrund: Die E-Rechnungsverordnung, GoBD-konforme Buchführung und die zunehmende Nutzung von KI-gestützten Analyse-Tools verändern die Arbeit in der Steuerberatung.

Gefragte Kompetenzen

  • digitale Prozesse optimieren
  • Mandanten in Transformationsprojekten beraten
  • Schnittstellen zwischen Steuerrecht und IT verstehen

Aber ehrlich: die meisten Kanzleien sind glücklich über jede Bewerbung eines Steuerberaters – ob mit KI-Knowhow oder ohne.

3. Compliance-Experten

Die Rolle der Compliance-Abteilungen wächst stetig. Gerade international tätige Unternehmen suchen Fachkräfte, die Regelverstöße verhindern und Compliance-Systeme aufbauen. Immer neue regulatorische Anforderungen auf Bundes- und EU-Ebene erhöhen den Bedarf an qualifizierten Experten stetig. Aktuelle Beispiele für zusätzlich bürokratischen und rechtlichen Aufwand in Unternehmen:

  • Geldwäschegesetz (GwG)
  • Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz
  • ESG-Reporting
  • Barrierefreiheitsstärkungsgesetz
  • Hinweisgeberschutzgesetz

5. Fachkräfte für Legal Tech & Digitalisierung

Die Einführung von Legal Tech verändert den Kanzleialltag massiv. Automatisierte Dokumentenerstellung, digitale Vertragsprüfung und KI-gestützte Fristenkontrolle sind längst Realität. Große Kanzleien beschäftigen immer mehr Experten, die sich ausschließlich um digitale Lösungen und die Optimierung interner Prozesse kümmern – trauen sie doch insbesondere KI-Lösungen eine massives Automatisierungspotential zu. Das ist angesichts des Mangels an Top-Nachwuchsjuristen und -steuerexperten auch dringend notwendig.

Top-Profile

  • Juristen mit Legal-Tech-Affinität
  • Steuerexperten mit Kenntnissen in automatisierter Belegverarbeitung
  • Legal Project Manager
  • KI-Experten

6. Buchhalter & Lohn- und Gehaltsexperten

Die Nachfrage nach Buchhaltern und  Payroll-Spezialisten steigt – nicht zuletzt wegen der zunehmenden Komplexität des Accountings und der Abrechnungen.

Warum die Nachfrage steigt

  • Zunehmende rechtliche und administrative Komplexität
  • Grenzüberschreitende Beschäftigung (z. B. Remote Work aus dem Ausland)
  • Fehlen ausgebildeter Experten – in der Regel sind es besonders qualifizierte Steuerfachangestellte, die in Kanzleien als Buchhalter tätig sind – und die stehen dem Arbeitsmarkt aktuell kaum zur Verfügung

Ein Teil der Fachkräfte-Nachfrage könnte in den kommenden Jahren durch künstliche Intelligenz gestillt werden – insbesondere das Verbuchen von Rechnungen lässt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auf diesem Weg zunehmend automatisieren.

7. Rechtsanwaltsfachangestellte

Der Beruf der Rechtsanwaltsfachangestellte erlebt aktuell eine deutliche Aufwertung. Dass sie bis vor wenigen Jahren noch unterbezahlt und wenig wertgeschätzt waren, fällt vielen Kanzleien aktuell auf die Füße. Denn viel zu wenige junge Menschen haben Interesse an der Ausbildung, sodass der Fachkräftemangel von Jahr zu Jahr größer wird. Folge: ReFas können in größeren Kanzleien inzwischen deutlich über 40.000 € / Jahr verdienen, oft teilweise im Homeoffice arbeiten und übernehmen auch anspruchsvolle Aufgaben.

Besonders gute Aussichten haben Fachangestellte, die gut bis sehr gut Englisch sprechen, ordentliche Ausbildungsnoten mitbringen und fit im Umgang mit digitalen Tools sind.