Rechtsfachwirt-Fortbildung – lohnt sich das für Rechtsanwaltsfachangestellte?
Wer als Rechtsanwaltsfachangestellte (ReFa) bereits Berufserfahrung gesammelt hat, fragt sich früher oder später: Lohnt sich eine Fortbildung zur Rechtsfachwirt? In diesem Beitrag werfen wir einen praxisnahen Blick auf Inhalte, Dauer und Kosten dieser Fortbildung sowie auf Vorteile und Nachteile.
Was ist eine Rechtsfachwirtin?
Der Rechtsfachwirt ist eine Aufstiegsfortbildung für ausgebildete Rechtsanwaltsfachangestellte. Man kann damit leitende organisatorische, verwaltende und personalverantwortliche Tätigkeiten in Kanzleien oder Rechtsabteilungen übernehmen. Zusätzlich sind Rechtsfachwirte Spezialisten im Kosten-, Gebühren- und Prozessrecht / RVG sowie im Bereich Prozessrecht und Vollstreckung. Der Beruf ähnelt in seiner Funktion der eines „Kanzleimanagers“.
Typische Aufgaben:
- Mandats- und Büroorganisation
- Mandantenbetreuung
- Personalführung
- Fristen- und Gebührenmanagement
- Finanz- und Rechnungswesen
- Unterstützung in der Kanzleiführung
Voraussetzungen für die Fortbildung zum Rechtsfachwirt
Um zur Fortbildung zugelassen zu werden, gelten in der Regel folgende Bedingungen:
✅ Abgeschlossene Ausbildung zur/zum Rechtsanwaltsfachangestellten
✅ Mindestens 2 Jahre Berufspraxis nach Ausbildungsabschluss (teilweise mehr)
✅ Alternativ: Nachweis über eine andere Ausbildung + längere Berufserfahrung im juristischen Bereich
Die genauen Voraussetzungen hängen vom Anbieter und der Prüfungsordnung ab.
Dauer und Ablauf der Fortbildung zum Rechtsfachwirt
Die Fortbildung wird berufsbegleitend angeboten – meistens als Abend- oder Wochenendunterricht. Bei einigen Anbieter kann die komplette Fortbildung online von Zuhause absolviert werden.
📅 Dauer: ca. 12 bis 24 Monate
📚 Formate: Präsenzunterricht, Blended Learning oder rein online
🎓 Abschluss: Staatlich geprüfte/r Rechtsfachwirt/in (IHK- oder Kammerprüfung)
Inhalte der Fortbildung
Die Fortbildung vermittelt vertiefte Kenntnisse in mehreren Bereichen:
- Personalwirtschaft und Arbeitsrecht
- Büroorganisation und Kommunikation
- Kosten- und Gebührenrecht (z. B. RVG)
- Zwangsvollstreckung und Forderungsmanagement
- Rechnungswesen, Controlling und Kanzleimanagement
- Berufsrecht, Datenschutz & Compliance
Besonders der betriebswirtschaftliche Anteil bereitet auf leitende Funktionen vor.
Zeitaufwand für die Fortbildung zum Rechtsfachwirt
Teilnehmer an der Fortbildung zum Rechtsfachwirt sollten mit einem Aufwand von 10 und 15 Stunden pro Woche und insgesamt 400 – 450 Stunden rechnen.
Kosten
💰 Die Fortbildung kostet je nach Anbieter zwischen 2.000 und 4.500 Euro – hinzu kommen evtl. Prüfungsgebühren.
💡 Tipp: Viele Kanzleien unterstützen ihre Mitarbeiter finanziell oder zeitlich. Auch staatliche Förderungen wie Aufstiegs-BAföG können beantragt werden.
Was verdient ein Rechtsfachwirt?
Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit gibt 4.213 € als durchschnittliches Monatsgehalt eines Rechtsfachwirts an. Demgegenüber beträgt das Durchschnittsgehalt einer ReFa 3.090 €. Fachwirte verdienen also 36% mehr als Fachangestellte.
Auffällig ist hier ein großer Gehaltsunterschied zwischen männlichen und weiblichen Rechtsfachwirten. Während das Durchschnittsgehalt bei Männern 5.060 € beträgt, liegt es bei Frauen nur bei 4.027 €.
Der Entgeltatlas beruht auf den Daten der Sozialversicherungen und gilt deshalb als besonders aussagekräftig.
Lohnt sich die Fortbildung?
Ja – unter bestimmten Voraussetzungen.
Hier sind die wichtigsten Vorteile:
- Mehr Verantwortung – Möglichkeit, Teams zu leiten oder Kanzleien organisatorisch mitzugestalten
- Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt – Qualifikation hebt dich von anderen Bewerbern ab und manche Kanzleien suchen gezielt nach Rechtsfachwirten
- Persönliche Weiterentwicklung – Breiteres Wissen, bessere Karrierechancen
- Höheres Gehalt – Rechtsfachwirte verdienen mehr als ReFas – siehe oben
Mögliche Nachteile:
- Hoher zeitlicher Aufwand neben dem Beruf
- Kostenbelastung ohne Förderung oder Kanzleibeteiligung
- Nicht jeder will oder kann eine Führungsrolle übernehmen
- Der Arbeitgeber hat ggf. keinen Bedarf, ReFas mit Management- und Führungskompetenz zu beschäftigen
Fazit: Für wen lohnt sich die Fortbildung?
Die Fortbildung zum/zur Rechtsfachwirt lohnt sich besonders für Rechtsanwaltsfachangestellte, die:
- mehr Verantwortung übernehmen möchten
- sich eine Führungsrolle in der Kanzlei vorstellen können
- langfristig mehr verdienen möchten
- Spaß an Organisation und Struktur haben
Wer gerne „die Fäden in der Hand hält“ und eine Leidenschaft für juristische Abläufe sowie Kanzleimanagement mitbringt, findet im Berufsbild des/der Rechtsfachwirts einen spannenden nächsten Karriereschritt.

